Ringvorlesungen

Institut für Religionswissenschaft und Religionspädagogik

Zweisemestrige Vorlesungsreihe der Universitäten Bremen und Hamburg

Religionswissenschaftliche Perspektiven auf das weltweite Christentum

Im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts ist das Christentum endgültig zu einer globalen Religion geworden, gleichermaßen beheimatet auf allen Kontinenten. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung der Beschäftigung mit der Geschichte und Gegenwart des Christentums in Asien, Afrika und Lateinamerika in allen kultur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen stetig zu. Besonders im anglophonen Raum hat sich diese Thematik unter dem Stichwort "World Christianity" vielerorts bereits auch institutionell etabliert. In der Ethnologie ist eine "Anthropology of Christianity" entstanden und in den letzten Jahren zu einer anerkannten Teildisziplin geworden. Auch in der deutschsprachigen Theologie finden sich eine Hinwendung zur weltweiten Christentumsgeschichte wie auch Debatten über eine Neubestimmung der missionswissenschaftlichen Tradition als "Interkulturelle Theologie".

Die Religionswissenschaft dagegen hat das Thema für sich bisher noch nicht systematisch als eigenen Forschungsbereich erschlossen und eigene theoretische Perspektiven auf das Feld entwickelt. Als einen ersten Schritt hin zu einer solchen Debatte veranstalten die religionswissenschaftlichen Institute der Universitäten Bremen und Hamburg im Wintersemester 2015/16 und im Sommersemester 2016 eine zweisemestrige Vorlesungsreihe zur weltweiten Christentumsgeschichte. Diese Ringvorlesung stellt im Wintersemester 2014/15 in Bremen verflechtungsgeschichtliche Perspektiven und im Sommersemester 2016 in Hamburg mediengeschichtliche und materiale Perspektiven in den Mittelpunkt. Die Vorträge sollen einen Beitrag leisten zur Etablierung einer religionswissenschaftlichen Forschungsperspektive auf das weltweite Christentum. Was macht eine solche Sichtweise aus? Was kann sie über vorhandene Ansätze hinaus leisten?

Sommersemester 2016 (Hamburg): Religionsgeschichte als Mediengeschichte

Ankündigung (Uni Hamburg) | Termine | Flyer

Eine kulturwissenschaftlich orientierte Christentumsgeschichte geht nicht in Theologie- und Kirchengeschichte auf. Vielmehr stellt sie, etwa im Zuge des material turn, die Materialität religiöser Kommunikation sowie die Bedeutung medialer Transformationen für die Religionsgeschichte des Christentums in den Mittelpunkt. Im Anschluss an aktuelle religionswissenschaftliche Theoriedebatten fokussieren die Vorträge im Sommersemester 2016 in Hamburg daher auf die Bedeutung von Medialität und Materialität für die Beschäftigung mit der Geschichte des weltweiten Christentums.

Wintersemester 2015/16 (Bremen): Religionsgeschichte als Verflechtungsgeschichte

Poster (pdf) | Flyer (pdf) | Termine

Religionsgeschichte kann sich nicht auf die Geschichte des Christentums als Religion beschränken, sondern muss dessen Interaktionen mit anderen Religionen, wie auch mit Rechts- und Wirtschaftsordnungen, Gesellschaften oder Künsten als Teil dieser Geschichte einbeziehen. Wie diese verschiedenen Christentümer in der Verflechtungsgeschichte (entangled history) in den verschiedenen Epochen und und in verschiedenen Regionen der Welt wieder einander beeinflussen und sich wechselseitig verändern, ist Gegenstand von Religionsgeschichte. Die Vorträge im Wintersemester 2015/16 in Bremen stellen solche Verflechtungen und Vernetzungen ins Zentrum und eröffnen so die Debatte um religionswissenschaftliche Perspektiven auf das weltweite Christentum.

Die Veranstaltungen im Sommersemester 2016 in Hamburg finden jeweils dienstags von 18 - 20 Uhr im Hauptgebäude, Edmund-Siemers-Allee 1, Flügel West, Raum 221 statt. Der Vortrag von Prof. Dr. Bräunlein am 12. Juli findet im Vortragsraum 1. OG in der Staats- und Universitätsbibliothek statt. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Prof. Adrian Hermann.

26. April 2016: "'Außereuropäische Christentumsgeschichte' - Regionale Identitäten, transreligiöse Interaktionen, globalisierungshistorische Perspektiven" (Prof. em. Dr. Klaus Koschorke, LMU München)

3. Mai 2016: "Civil or Religious Rites? Missionary Adaptation in the Early Modern Jesuit Missions of South India and the 'Malabar Rites' Controversy" (Paolo Aranha, M.Res., Instituto Cultural de Macau)

24. Mai 2016: "Digitalisierte Selbstkreuzigung. Die Mediatisierung eines philippinischen Rituals zwischen lokaler Tradition und globaler Christentumsgeschichte" (Prof. Dr. Kerstin Radde-Antweiler, Uni Bremen)

14. Juni 2016: "'Verbrasilianerung' und Akkulturation: Deutsche protestantische Einwanderer in Brasilien und die Bedeutung der historischen Anthropologie für eine Geschichte des weltweiten Christentums" (PD Dr. Roland Spliesgart, LMU München)

21. Juni 2016: "Körper und Geist(er): Exorzismus und Dämonologie im äthiopischen Pfingstchristentum aus religionswissenschaftlicher Perspektive" (Dr. Jörg Haustein, University of London)

5. Juli 2016: "Zwischen Text und Charisma: Zur Rolle von Lehrbüchern in der pfingstkirchlichen Süd-Süd Mission" (Jun.-Prof. Dr. Eva Spies, Universität Bayreuth)

12. Juli 2016: "Philippinische Passionsrituale. Medien und Medialität als Herausforderungen der Katholizismusforschung" (Prof. Dr. Peter J. Bräunlein, Georg-August-Universität Göttingen)
Ort: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Von-Melle-Park 3, Vortragsraum 1. OG

Die Veranstaltungen im Wintersemester 2015/15 in Bremen finden jeweils donnerstags von 18 - 20 Uhr statt, die Veranstaltungsorte sind bei den einzelnen Terminen angegeben. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Prof. Dr. Kerstin Radde-Antweiler.

5. November 2015: "Eine unabhängige katholische Kirche auf den Philippinen um 1900. Die Iglesia Filipina Independiente und die Herausforderungen einer polyzentrischen Geschichte des Weltchristentums" (Adrian Hermann, Universität Hamburg)
Ort: GW2, B 2880

26. November 2015: "Subversive Religionspolitik in einer indigenen Zeitschrift der lutherischen Mission Neuguineas" (Gabriele Richter, Universität Bremen)
Ort: SFG 1040

10. Dezember 2015: "Katholisches Christentum in Ostafrika zwischen Lokalität und Weltkirche" (Katharina Wilkens, LMU München)
Ort: Haus der Wissenschaft, Kleiner Saal

14. Januar 2016: "Pfingstkirchen in Südostasien als amerikanischer Export? Ein kritischer Blick auf das hegemoniale Narrativ: 'From the West to the Rest'" (Katja Rakow, University of Utrecht)
Ort: Haus der Wissenschaft, Kleiner Saal

21. Januar 2016: "Zwischen Erweckung und Nationalismus. Die indische Frauenrechtlerin Pandita Ramabai" (Yan Suarsana, Universität Heidelberg)
Ort: Haus der Wissenschaft, Kleiner Saal

28. Januar 2016: "Saint Anthony of Padua and Nana Ntona in Elmina. A Ghanaian tale of transcultural religious aesthetics" (Annalisa Butticci, University of Utrecht)
Ort: GW2, B 2880

4. Februar 2016: "'Coolies' im Lande der 'Kaffirs': Indische Christen in Südafrika als Teil einer globalen Christentumsgeschichte" (Ulrike Schröder, FH Hermannsburg)
Ort: Haus der Wissenschaft, Kleiner Saal

5. November 2015

Eine unabhängige katholische Kirche auf den Philippinen um 1900. Die Iglesia Filipina Independiente und die Herausforderungen einer polyzentrischen Geschichte des Weltchristentums

Adrian Hermann, Universität Hamburg

 

Kurz nach der philippinischen Revolution gegen die spanische Kolonialherrschaft zum Ende des 19. Jahrhunderts begründeten der philippinische Intellektuelle Isabelo de los Reyes (1864–1938) und der exkommunizierte katholische Priester Gregorio Aglipay (1860–1940) im Jahr 1902 die Iglesia Filipina Independiente (IFI), eine nationalistische und rom-unabhängige katholische Kirche. Ausgehend von einer Analyse der zwei ersten Zeitschriften dieser Bewegung befasst sich der Vortrag mit den vielfältigen Verbindungen zwischen religiösen, sozialen und politischen Emanzipationsbestrebungen auf den Philippinen um 1900. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf internationalen Kontakten und Vernetzungen. Entsprechend ihres Selbstverständnisses als Teil einer weltweiten Bewegung unabhängiger Katholiken befand sich die IFI schon früh im Austausch mit anderen rom-unabhängigen Kirchen in Asien, Nordamerika und Europa und veröffentlichte die Korrespondenz mit diesen in den eigenen Periodika. Die Entstehung der Kirche vollzog sich so im Kontext der Herausbildung einer transregionalen und transkontinentalen christlichen Öffentlichkeit jenseits der etablierten missionarischen Kommunikationskanäle. Vor dem Hintergrund dieses Fallbeispiels kommt der Vortrag auf grundsätzliche Herausforderungen des Schreibens einer polyzentrischen Geschichte des Weltchristentums zu sprechen.

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26. November 2015

Subversive Religionspolitik in einer indigenen Zeitschrift der lutherischen Mission Neuguineas

Gabriele Richter, Universität Bremen

 

Das erste Exemplar der Zeitschrift "Aakesing" wurde 1911 im damaligen Deutsch-Neuguinea herausgegeben. Bis in die 1960er Jahre wurden große Teile des lutherischen Missionsgebietes in Neuguinea damit beliefert. Sie ist ein einmaliges publizistisches Zeugnis von Verflechtungsgeschichte. Denn der "Aakesing" ist in einer indigenen Sprache des Pazifiks verfasst. Seine Autoren waren fast ausschließlich einheimische Mitarbeiter der lutherischen Missionsgesellschaft, deren Ursprung im fränkischen Neuendettelsau zu finden ist. Natürlich diente das neuguineanische Missionsblatt wie fast alle deutschsprachigen Pendants dieser Art der Selbstvergewisserung über die Ziele der Missionsarbeit, sowie der Verbreitung der aktuellen Nachrichten über die missionarischen Tätigkeiten. Aber nach dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft um 1914 war der "Aakesing" auch ein Instrument indigenen Widerstandes gegen australische Kolonialherrschaft - eine politische Ausrichtung, die von den deutschen Missionaren gerne gefördert wurde. Man war sich in der kritischen Haltung gegenüber der australischen Mandatsregierung einig. Trotzdem konnten die Artikel auch die Erwartungshaltung der deutschen Missionare unterlaufen und eigene Ziele verfolgen, ohne dass es zu einem Konflikt zwischen indigenen und deutschen Missionaren kam.

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10. Dezember 2015

Katholisches Christentum in Ostafrika zwischen Lokalität und Weltkirche

Katharina Wilkens, LMU München

 

Die Geschichte des katholischen Christentums in Ostafrika geht auf die Zeit der portugiesischen Expansion zurück; es wurde jedoch erst im 19. Jh. im Zuge der aktiven Missionstätigkeit verschiedener Orden fest verwurzelt. Gerade für Tansania war der Katholizismus von herausragender Bedeutung, war doch der erste Präsident des Landes Katholik und stammte doch auch der erste afrikanische Kardinal, Laurean Rugambwa, von hier. Im benachbarten Ruanda findet eine der größten Marienwallfahrten der Welt statt, die in der Tradition von Fatima und Medjugorje steht. Die stark umstrittene Gruppierung der Marian Faith Healing Ministry verkörpert den Konflikt zwischen einem konservativen Verständnis der Sakramente und dämonischer Einflüsse auf das Leben einerseits und andererseits den liberalen theologischen Bemühungen um Inkulturation des katholischen Glaubens in Ostafrika. Im Vortrag werden diese und andere Beispiele angeführt, um die globalen Verflechtungen lokaler katholischer Initiativen aufzuzeigen. Im Vordergrund steht dabei immer das Bemühen um eine Balance zwischen lokalen und weltkirchlichen Strukturen und spirituellen Bedürfnissen.

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14. Januar 2016

Pfingstkirchen in Südostasien als amerikanischer Export? Ein kritischer Blick auf das hegemoniale Narrativ: "From the West to the Rest"

Katja Rakow, University of Utrecht

 

Die rasante globale Ausbreitung evangelikaler und pfingstlicher Kirchen im 20. Jahrhundert wird häufig als Globalisierung des "fundamentalistischen Christentums" amerikanischer Couleur beschrieben. Sogenannte "Megachurches" in Asien mit bis zu 200.000 Gottesdienstbesuchern pro Woche und religiöse Medienformate wie die Fernsehpredigt werden als amerikanisches Exportgüter betrachtet, die zum globalen Erfolgsmodell avancierten. Dieses dominante Beschreibungsmuster der rezenten Globalgeschichte des evangelikal-charismatischen Christentums ist problematisch in mehrfacher Hinsicht: Es spiegelt nicht nur ein gewisses U.S.-amerikanisches imperialistisches Selbstverständnis wider, das sich in der rezenten Religionsgeschichtsschreibung  fortsetzt, sondern negiert zugleich (1) transkulturelle Flüsse, die nicht unilinear sondern multidirektional verlaufen; (2) die de- oder multizentrale, netzwerkartige Struktur evangelikaler und pfingstlicher Ausdrucksformen und Organisationen sowie (3) (trans-)lokale Stimmen, Narrative und Diskurse, die Nordamerika und insbesondere den USA eine andere Rolle und Position zuschreiben. Zwei Beispiele sollen das dominante Narrativ "From the West to the Rest" verkomplizieren: Am Beispiel der sogenannten "Reverse Mission" werden wir Missionsunternehmungen asiatischer Kirchen betrachten, welche die historische Missionsrichtung umkehren und Nordamerika und Europa zu Missionszielen erklären. Ein alternativer Diskurs zur Genealogie christlicher Kleingruppen, der von einigen prominenten Kirchen in Südostasien getragen wird, ist ein weiteres Beispiel dafür, wie christliche Akteure sich selbst global verorten und welche Rolle sie Nordamerika in dieser Selbstverortung zuweisen.

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21. Januar 2016

Zwischen Erweckung und Nationalismus. Die indische Frauenrechtlerin Pandita Ramabai

Yan Suarsana, Universität Heidelberg

 

Die Lebensgeschichte der indischen Christin Pandita Ramabai Sarasvati (1858-1922) kann als Paradebeispiel für eine "verflochtene" Biographie im Sinne des entangled-history-Ansatzes verstanden werden. Als international gefeierte Pionierin der indischen Frauenbewegung bereiste sie England und die USA und entlarvte in ihren Reden und Publikationen die Widersprüche des kolonialen Weltbildes. Während eines Studienaufenthaltes in England bekehrte sie sich zum Christentum, was unter ihren indischen Unterstützern (vor allem im Lager der Nationalbewegung) für heftige Kontroversen sorgte; deren Rückhalt verlor sie vollends, als sie in Kontakt mit radikalen Kreisen der Heiligungsbewegung kam und eine Missions- und Witwenstation bei Pune, die sog. Mukti Mission, gründete. Von ihrem indischen Umfeld seither völlig isoliert, zog sie in der Folgezeit eine große Zahl an Missionaren aus dem Umfeld der Heiligungsbewegung und frühen Pfingstbewegung an, die an den erwecklichen Vorgängen in Mukti interessiert waren. Doch ihre Träume vom Erwachen einer indischen Nationalkirche blieben in diesen Kreisen ungehört; dafür wurde sie von der erwecklichen Presse als eine Pionierin der indischen Pfingstbewegung gefeiert - ein Ruf, der ihr bis heute nacheilt, obgleich sie dieser Bewegung zeitlebens eher skeptisch gegenüber stand. Die Vorlesung wird nicht nur die komplexe Lebensgeschichte der Pandita nachzeichnen, sondern auch die zahllosen, sich zum Teil erheblich widersprechenden, Narrative analysieren, die zeitgenössische und spätere Biographen sowie Historiker von dieser vor allem im Westen populären Persönlichkeit verfasst haben. Auf diese Weise soll ein Einblick in die koloniale "Produktion" von Geschichte gegeben werden, die zum Teil bis heute nachwirkt.

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28. Januar 2016

Saint Anthony of Padua and Nana Ntona in Elmina. A Ghanaian tale of transcultural religious aesthetics

Annalisa Butticci, University of Utrecht

 

My lecture will explore the biography of a statue of Saint Anthony that was initially made for a Catholic church in Portugal, was then brought to Elmina, Ghana, by Catholic missionaries in the seventeenth century and, when those missionaries were chased away by the Dutch, ended up in a traditional shrine as Nana Ntona - Saint Anthony renamed as a local deity. As a local deity, Nana Ntona became popular for his healing and miraculous power. During the period of Atlantic slave trade, when Elmina became one of the major Dutch sources of slaves, Nana Ntona became an asylum for runaway slaves and years later became the great protector of the Elminians who were fighting against the British colonial empire. In contemporary Elmina, Nana Ntona is one of the seventy-seven gods that inhabit a vibrant fishing town that is now seriously challenged by the harsh consequences of a ruthless neo-liberal fishing market. What is the role of Nana Ntona in contemporary Elmina? And what is his relationship to Saint Anthony, whose statue adorns the main altar of the Catholic Basilica of Elmina that so majestically oversees the town from Mission Hill? In engaging with these questions I look at the encounter between Roman Catholic iconicity and Gold Coast religions and societies, their connections and disconnections, reciprocal appropriations and manipulations of objects, images, and religious aesthetics. Through the study of the biography of Nana Ntona and of his role in the past and contemporary social struggles of the people of the Gold Coast, broader questions related to the role of iconicity and religious material cultures in colonial, post-colonial, and now neo-liberal Gold Coast societies are explored.

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4. Februar 2016

"Coolies" im Lande der "Kaffirs": Indische Christen in Südafrika als Teil einer globalen Christentumsgeschichte

Ulrike Schröder, FH Hermannsburg

 

Das Aufkommen postkolonialer Zugänge in der Religionswissenschaft hat in den letzten Jahren ganz wesentlich zu einer Neukonzeption der verflechtungsgeschichtlichen Aspekte der Christentumsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert beigetragen und so den Blick auf die Beziehungen zwischen europäischem und außereuropäischem Christentum verändert. Während die  Einflüsse  europäisch-christlicher Missionare im Kontext des  Kolonialismus inzwischen für viele Orte bereits gut erforscht sind, standen die globalen Süd-Süd-Vernetzungen nicht-europäischer Christen bisher nur selten im Fokus. So etablierte sich zum Beispiel in der britischen Kolonie Natal in Südafrika durch den Import indischer Arbeitskräfte ab 1860 eine multireligiöse indische Gemeinschaft, zu der auch Christen aus Südindien gehörten. Der Vortrag wird die Geschichte dieser Christen nachzeichnen und in die  komplexen Transformationsprozesse des Christentums in Südafrika einbetten.

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