Geschichte und Thelogien des Christentums

Institut für Religionswissenschaft und Religionspädagogik

Die Gegenwart lässt sich immer nur als etwas Gewordenes begreifen und einordnen. Damit ist in der Moderne ein Wandel des Begreifens im Vergleich mit vorausgegangenen Epochen eingetreten. Das gilt im besonderen für Religion. Die historische Tiefendimension ist zum einen genealogisch interessant: Wie kam es zu den heutigen Formen von Religion und Religiosität, wie entstanden und entwickelten sich die religiösen Institutionen, vor denen wir heute stehen? Genauso wichtig ist aber zum anderen die Beobachtung, welche Alternativen zur Verfügung standen und die Frage, warum sie verworfen worden sind.

Eine religionswissenschaftliche Analyse der Christentümer, die diese eingebettet in ihre jeweilige Geschichte und im Rückgriff auf ihre vielfältigen Theologien untersucht, ist in Deutschland einzigartig. Der Begriff »Christentümer« umfaßt neben den westlichen Formen und ihren gegenläufigen Strömungen (etwa »Die Ketzer als religiöse Bewegung«) auch die Ausprägungen in der mediterranen Religionsgeschichte (von der Spätantike bis zum modernen Griechenland) oder seit der Neuzeit solche in Afrika, Lateinamerika und Asien.

Das Christentum kann, religionswissenschaftlich gesehen, nicht als Einheit und unter der Annahme einer Kontinuität und schon gar nicht zusammengefasst und fortgeführt als eine Institution betrachtet werden. In Bremen analysieren wir das Christentum – oder, wie wir sagen, die Christentümer – im Rahmen der »Europäischen Religionsgeschichte«. Damit sind diese Christentümer Teil des religiösen Feldes, neben weiteren Religionen – etwa Judentum und Islam – und neben anderen religiösen Bewegungen. Dieses religiöse Feld steht aber im Diskurszusammenhang mit anderen Diskursfeldern, und der Handlungsspielraum seiner Akteure umfaßt nie bloß das religiöse Feld. Besonderes Augenmerk legen wir z.B. auf die Wissenschaften, die Philosophie, auch Religionskritik und Atheismus, oder die Kunst. Dabei beschreiben wir Synergien ebenso wie Konkurrenzen, Toleranz ebenso wie Intoleranz. »Europäische Religionsgeschichte« zu betreiben heißt also nicht einfach, sich mit der Geschichte der Religion in Europa zu beschäftigen, sondern bedeutet eine methodische und inhaltliche Richtungsentscheidung, die sich von den Schwerpunkten der Kirchengeschichte deutlich unterscheidet. Erfolgreiche Kooperationen zeigen aber auch, dass sich beide Perspektiven gleichberechtigt zu fruchtbaren Projekten verbinden lassen.

Im WiSe 2017/18 leitet Prof. Dr. Yan Suarsana als Vertretungsprofessor den Arbeitsbereich Geschichte und Theologien des Christentums. Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem auf der Verflechtungsgeschichte des Christentums sowie globalgeschichtlichen Ansätzen in der Religionswissenschaft.

Bis zu seiner Emeritierung im Herbst 2017 leitete den Arbeitsbereich Prof. Dr. Dr. Christoph Auffarth. Seine Forschungsschwerpunkte in den Philologien, Altertumswissenschaften, der Geschichtswissenschaft und der Theologie sind auf seiner persönlichen Seite beschrieben. Dort finden sich auch seine Publikationen.